Wärmespeicher gelten als zentrale Stellschraube für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Doch so effizient die Technik auf dem Papier auch erscheint – in der Praxis fehlt es häufig an einem entscheidenden Puzzlestück: dem Wissen über den exakten Ladezustand. Denn obwohl moderne Heizsysteme mit ausgeklügelten Regelungen arbeiten, ist oft unklar, wie viel nutzbare Energie tatsächlich im Speicher vorhanden ist. Ein Problem, das die Effizienz bremst und die Steuerung erschwert.

Das Start-up Flexora hat für diese Lücke eine Lösung entwickelt, die so simpel wie wirkungsvoll ist: ultradünne, gedruckte Sensorfolien, die flächendeckend die Temperaturverteilung im Speicher erfassen – in Echtzeit. Im Gegensatz zu herkömmlichen punktuellen Temperaturfühlern liefern sie ein vollständiges thermisches Abbild des Speichers. Die Folie wird außen zwischen Wand und Dämmung angebracht, ganz ohne Eingriff in das Speichersystem selbst. Damit ist sie nicht nur nachrüstbar, sondern auch besonders wartungsarm.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Statt einer Schätzung auf Basis weniger Messpunkte erhalten Betreiber ein detailliertes Bild der aktuellen Temperaturschichtung. So lassen sich Lade- und Entladeprozesse bedarfsgerecht steuern, Energieverluste reduzieren und der Betrieb insgesamt optimieren. Das bedeutet mehr Effizienz, geringere Kosten und eine spürbare Entlastung für die Umwelt.
Gleichzeitig eröffnen die Sensorfolien den Weg zu digitalen Wärmespeichern. Durch die kontinuierliche Datenerfassung werden die Anlagen smart – vernetzbar mit Heizungssteuerungen, Smart-Home-Systemen oder übergeordneten Energiemanagementplattformen. Fernwartung, vorausschauende Instandhaltung und die Integration in dynamische Energiemärkte sind damit problemlos möglich.

Flexora sieht sich damit als Enabler einer neuen Generation von Heizsystemen. „Unsere Sensorfolie macht sichtbar, was bisher verborgen war“, sagt Clemens Haist, Geschäftsführer des Unternehmens. Er spricht von einem „neuen Level an Datentiefe“ und einem „entscheidenden Effizienzschub“ für den Wärmesektor.
Mit ihrer Kombination aus niedrigen Kosten, einfacher Nachrüstbarkeit und hoher Skalierbarkeit könnten die Sensorfolien einen breiten Einsatz in der gebäudetechnischen Praxis finden. Und damit einen Beitrag leisten, eines der trägsten Segmente der Energiewende endlich auf Touren zu bringen.
